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Was, wenn du nicht der bestzahlende Arbeitgeber bist?

Der Große im Nachbarort zahlt 300 Euro mehr. Warum das seltener entscheidet, als Betriebsinhaber denken – und was stattdessen zählt.

Zwei Mitarbeiter von Elektrotechnik Dietz in Firmenkleidung

„Ich kann nicht mithalten. Der Große im Nachbarort zahlt 300 Euro mehr im Monat.“

Diesen Satz höre ich oft. Und er stimmt meistens sogar. Nur führt er zur falschen Schlussfolgerung.

Geld ist der Grund, warum jemand schaut – nicht, warum er bleibt

Wer wegen 300 Euro wechselt, wechselt beim nächsten Angebot wieder. Das weißt du aus eigener Erfahrung: Die Leute, die seit Jahren bei dir sind, sind nicht wegen des Gehalts geblieben.

Sie sind geblieben, weil sie wissen, was sie an dir haben. Weil der Chef erreichbar ist. Weil Freitagnachmittag Feierabend ist und nicht „mal schauen“. Weil sie nicht zwei Stunden pendeln.

Das Problem ist nicht, dass du weniger zahlst. Das Problem ist, dass niemand weiß, wie es bei dir ist. Woran das bei Stellenanzeigen konkret scheitert, steht hier.

Ein Beispiel aus der Eifel

Ein Betrieb, mit dem ich arbeite, liegt in Birgel – tief in der Eifel, wenige Einwohner im Umkreis, junge Fachkräfte ziehen eher nach Köln oder Trier. Beim Gehalt konnte er mit Industriebetrieben in der Region nicht mithalten.

Trotzdem: über 600 Bewerbungen, daraus mehr als 15 Einstellungen in zwölf Monaten.

Nicht, weil plötzlich mehr gezahlt wurde. Sondern weil die Leute zum ersten Mal gesehen haben, wie dort gearbeitet wird – wer die Kollegen sind, wie der Alltag aussieht, was der Betrieb macht.

Was Bewerber tatsächlich abwägen

Wenn jemand über einen Wechsel nachdenkt, rechnet er nicht nur Gehalt. Er rechnet:

  • Fahrtzeit. Vierzig Minuten pro Strecke sind bei 220 Arbeitstagen rund 290 Stunden im Jahr. Das sind sieben Arbeitswochen im Auto.
  • Verlässlichkeit. Weiß ich Donnerstag, wie Freitag läuft? Oder ruft um 16 Uhr jemand an?
  • Wer ist der Chef. Erreichbar oder drei Ebenen entfernt?
  • Womit arbeite ich. Ordentliches Werkzeug oder das, was noch da ist?

Bei den meisten dieser Punkte bist du dem Großen überlegen. Du sagst es nur niemandem. Bei Monteuren ist die Fahrtzeit sogar das stärkste Argument überhaupt.

Was du konkret ändern kannst

Zeig den Alltag, nicht die Stelle. Ein Foto vom Team beim Mittagessen sagt mehr als jede Aufzählung von Aufgaben. Wer wechselt, will wissen, mit wem er künftig im Auto sitzt.

Nenn die Dinge beim Namen, die dich auszeichnen. Feste Feierabendzeiten. Kurze Wege. Keine Montage über Nacht. Das klingt banal – für jemanden, der seit drei Jahren pendelt, ist es der Grund zu wechseln.

Und sag auch, was nicht geht. Wenn du beim Gehalt nicht mithalten kannst, sag es. Wer sich trotzdem meldet, meldet sich aus den richtigen Gründen. Das spart euch beiden die Zeit.

Die unbequeme Wahrheit

Es gibt Fälle, in denen das nicht reicht. Wenn du deutlich unter Tarif zahlst, unzuverlässig planst und das Werkzeug seit zehn Jahren dasselbe ist, dann löst keine Kampagne dein Problem. Dann ist es ein Betriebsproblem, kein Sichtbarkeitsproblem.

Das sage ich auch im Erstgespräch, wenn es so ist. Lieber eine ehrliche Absage als ein Projekt, das nicht funktionieren kann.

Maik Braun

Maik Braun

Gründer, Schmiede Digital

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